Ute Zander-Schreindorfer im Coachinggespräch

Seit 1998

Mein Weg als Coach

Vom „Psycho-Gedöns“ zum professionellen Entwicklungsinstrument

Business Coaching ist heute etabliert und aus der Personal- und Führungskräfteentwicklung kaum noch wegzudenken. Als ich 1998 begann, als Coach zu arbeiten, sah das noch ganz anders aus.

In mehr als 25 Jahren hat sich nicht nur der Coachingmarkt grundlegend verändert. Auch meine eigene Arbeit hat sich kontinuierlich weiterentwickelt. Ein persönlicher Rückblick.

1998

Die Anfänge

Ute Zander-Schreindorfer 1998

Nur wer Probleme hat, geht zum Coach

Als ich 1998 begann, als Coach zu arbeiten, war Coaching noch etwas Exotisches. Manche Menschen verbanden damit eher die Vorstellung, sich auf eine Couch zu legen und sein Innerstes nach außen zu kehren. Die Gleichsetzung von Coaching und Therapie war in vielen Köpfen fest verankert.

Vor allem aber wurde Coaching häufig problemorientiert betrachtet: „Nur wer Probleme hat, geht zum Coach.“ So lässt sich die Einstellung beschreiben, mit der viele Unternehmen dem Business Coaching damals begegneten.

Gleichzeitig gab es bereits wichtige fachliche Grundlagen. Bücher wie Wolfgang Loos' „Unter vier Augen – Coaching für Manager“ oder Friedemann Schulz von Thuns „Miteinander reden“ hatten Ende der 1990er-Jahre bereits großen Einfluss auf berufliche Kommunikation und Coaching.

In meiner eigenen Arbeit ging es damals häufig um berufliche Weiterentwicklung, Karrierefragen, Bewerbungen und Personalauswahl. Wer Coaching in Anspruch nahm, wollte entweder ein konkretes Problem lösen oder die eigene berufliche Entwicklung gezielt voranbringen.

2004

Professionalisierung

Coaching kommt aus der Nische

Mit dem wachsenden Interesse an Coaching wurde eine Frage immer wichtiger: Wie findet man einen seriösen und professionell arbeitenden Coach?

2004 wurde der Deutsche Bundesverband Coaching gegründet. Coaching boomte, gleichzeitig war der Markt unübersichtlich. Qualitätsstandards und nachvollziehbare Qualifikationen gewannen zunehmend an Bedeutung.

Auch die Arbeitswelt begann sich zu verändern. Neue Formen der Zusammenarbeit, flachere Strukturen und später agile Arbeitsweisen stellten andere Anforderungen an Führung. Führungskräfte begannen, ihren eigenen Führungsstil stärker zu reflektieren, und auch Team-Coaching gewann an Bedeutung.

Ich hatte mich bereits 2003 als Coach selbstständig gemacht und entdeckte 2004 das systemische Arbeiten für mich. Die konsequente Ziel- und Ressourcenorientierung veränderte und bereicherte meine Arbeit nachhaltig.

Ich spezialisierte mich zunehmend auf Konflikt- und Führungskräfte-Coaching und arbeitete mit großer Begeisterung mit sehr unterschiedlichen Unternehmen und Organisationen.

2009

Gesundheit

Ute Zander-Schreindorfer 2009

Gesundheit und Leistungsfähigkeit rücken in den Mittelpunkt

Die Wirtschaftskrise 2008 veränderte auch die Personalentwicklung. Viele Unternehmen mussten sparen. Klassische mehrtägige Seminare wurden kritischer betrachtet, während Coaching gleichzeitig eine Aufwertung erfuhr.

Es wurde zunehmend als individuelle und wirkungsvolle Form der Beratung verstanden, mit der konkrete Lösungen entwickelt und persönliche Leistungsfähigkeit gefördert werden konnten.

2009 entdeckte ich das Betriebliche Gesundheitsmanagement und das Gesundheitscoaching für meine Arbeit. Die Idee, Menschen dabei zu unterstützen, auch unter hohen beruflichen Anforderungen gesund und leistungsfähig zu bleiben, war damals noch vergleichsweise neu.

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz und Burnout wurden jedoch zunehmend zu wichtigen Themen für Unternehmen. Damit wuchs auch der Bedarf an professioneller Unterstützung bei Stressbewältigung und mentaler Gesundheit. Der Begriff Resilienz spielte damals noch eine deutlich geringere Rolle als heute.

2010 erschien mein zweites Buch „Das David-Geheimnis – schwierige Situationen meistern“. Darin flossen viele Erfahrungen und Anregungen aus meiner Coachingarbeit ein.

2013

Veränderung

Ute Zander-Schreindorfer 2013

Coaching wird Teil professioneller Veränderungsarbeit

Die Arbeitswelt veränderte sich weiter. Work-Life-Balance, flachere Hierarchien und die Erwartungen einer jüngeren Generation wurden zunehmend Themen in Unternehmen und damit auch im Coaching.

In meiner Arbeit ging es in dieser Zeit häufig um schwierige Gesprächssituationen und professionelle Kommunikation. Ich arbeitete viel im Ausland und erlebte, wie groß die Bereitschaft inzwischen geworden war, sich bei Führungs- und Kommunikationsfragen professionell begleiten zu lassen.

Coaching war in der Wirtschaft angekommen. Auch größere Organisationen und Behörden bauten eigene Coaching-Pools auf.

Ute Zander-Schreindorfer und Stefan Schreindorfer

Bereits 2011 hatte ich gemeinsam mit meinem Geschäfts- und Lebenspartner Stefan Schreindorfer die ZS Consult GmbH gegründet. Damit veränderte sich auch die Art unserer Arbeit.

Wir begleiteten zunehmend langfristige Projekte in Unternehmen. Führungskräfteentwicklungsprogramme und Culture-Change-Projekte ermöglichten eine nachhaltigere Veränderungsarbeit über mehrere Jahre.

Coaching wurde dabei zu einem wichtigen Baustein innerhalb umfassender Veränderungsprozesse und unterstützte einzelne Menschen dabei, ihren eigenen Weg innerhalb dieser Veränderungen zu finden.

2018

Prozessberatung

Ute Zander-Schreindorfer 2018

Coaching bedeutet Prozessberatung

Coaching war inzwischen in vielen Unternehmen eine etablierte und bewährte Methode zur beruflichen Entwicklung. Gecoacht zu werden, wurde nicht mehr als Zeichen eines Problems verstanden, sondern zunehmend als Möglichkeit und Privileg, sich gezielt weiterzuentwickeln.

Gleichzeitig wurde der Coachingmarkt vielfältiger. Agile Methoden und agile Transformationsprozesse brachten neue Coachingformen hervor.

Damit wurde die Frage nach der Qualität professionellen Coachings erneut wichtig. Für mich liegt ein wesentlicher Unterschied zwischen Expertenberatung und Coaching darin, dass ein Coach nicht einfach fertige Lösungen liefert.

Professionelles Coaching bedeutet Prozessberatung: Die Klientinnen und Klienten entwickeln ihre eigenen Lösungen. Der Coach unterstützt dabei, Perspektiven zu erweitern, Ressourcen zu erkennen und den Lösungsprozess zu strukturieren.

Ich spezialisierte mich als Business Coach zunehmend auf Führungskräfte-Coaching, Konflikt-Coaching und Gesundheitscoaching zur mentalen Stärkung.

Als systemischer Coach betrachte ich dabei nicht nur die persönliche Situation eines Menschen. Ebenso wichtig sind der Unternehmenskontext, Beziehungen und die Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten – auch wenn diese im Coaching selbst nicht anwesend sind.

2023

Resilienz

Ute Zander-Schreindorfer 2023

Coaching stärkt persönliche und organisationale Resilienz

Pandemie, Krieg in Europa und wirtschaftliche Unsicherheit haben die Arbeitswelt stark verändert. Gleichzeitig hat sich der Weiterbildungs- und Coachingmarkt seit 2020 in kurzer Zeit digitalisiert.

Online-Coaching und digitale Weiterbildung wurden selbstverständlich. Damit entstanden neue Möglichkeiten für flexible Zusammenarbeit, unabhängig von Ort und Entfernung.

Gleichzeitig rückte Resilienz stärker in den Mittelpunkt – sowohl die persönliche Resilienz einzelner Menschen als auch die Fähigkeit von Teams und Organisationen, mit Krisen und Veränderungen umzugehen.

Viele Unternehmen beschäftigten sich intensiver mit psychischer Gesundheit, hoher Arbeitsbelastung, Homeoffice, Unsicherheit und der Frage, wie Mitarbeitende auch unter schwierigen Bedingungen gesund und handlungsfähig bleiben können.

Auch meine eigene Arbeit veränderte sich. Während des ersten Lockdowns 2020 setzte ich mich intensiv mit digitalen Arbeitsformen auseinander. Online-Coaching und Online-Weiterbildung wurden zu selbstverständlichen Bestandteilen meiner Arbeit.

Gleichzeitig gibt es Situationen, in denen für mich die persönliche Begegnung weiterhin eine besondere Bedeutung hat. Gerade bei komplexen Konfliktklärungsprozessen bevorzuge ich nach wie vor die Arbeit in Präsenz.

2023 blickte ich auf 25 Jahre Tätigkeit als Coach zurück. In diesen Jahren hat sich Coaching von einem teilweise skeptisch betrachteten Beratungsformat zu einem professionellen Instrument für persönliche und organisationale Entwicklung entwickelt.

Mein Blick nach vorn richtet sich besonders auf Führung. Ich wünsche mir, dass noch mehr Führungskräfte Coaching-Kompetenzen als selbstverständlichen Bestandteil ihrer Führungsaufgabe verstehen.

Gerade bei Konfliktklärung, Veränderung und mentaler Gesundheit können Führungskräfte viel dazu beitragen, Menschen und Teams in ihrer Leistungsfähigkeit und Weiterentwicklung zu unterstützen.

2026
Ute Zander-Schreindorfer 2026

Heute & Ausblick

Coaching vernetzt sich mit anderen Beratungsformaten

Die Arbeitswelt hat sich weiter verändert. Disruptive Prozesse bestimmen den Markt, Krisen und Kriege erschüttern die Welt und Künstliche Intelligenz verändert unser Leben und Arbeiten auf eine noch nie dagewesene Art und Weise.

Was bedeutet das für Coaching?

Für mich liegt die Notwendigkeit auf der Hand, Resilienz- und Gesundheitscoaching in bestehende Coaching- und Beratungsprozesse zu integrieren. Resilienzförderung betrifft heute weit mehr als den einzelnen Menschen. Neben der individuellen Resilienz arbeite ich deshalb zunehmend mit Teams und Organisationen daran, auch dort Widerstandskraft und Handlungsfähigkeit zu stärken.

Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt inzwischen in der Konfliktklärung. Ich begleite Führungskräfte, die in Teamkonflikten eine klärende und prozesssteuernde Rolle übernehmen möchten, ebenso wie Veränderungsprozesse, in denen Konflikte entstehen oder sich verschärfen.

Coaching hat sich für mich dadurch immer stärker mit anderen Beratungsformaten verzahnt. Die Grenzen zwischen Coaching, Konfliktklärung, Gesundheitsförderung, Führungskräfte- und Organisationsentwicklung sind durchlässiger geworden.

Ein weiteres wichtiges Feld ist meine Tätigkeit als Lehrcoach. Deutschlandweit bin ich für verschiedene systemische Institute in der Aus- und Weiterbildung tätig und begleite Menschen dabei, ihre eigene professionelle Haltung und Arbeitsweise zu entwickeln.

Eine Arbeit, die mir sehr große Freude bereitet.

Was geblieben ist

Menschen in Entwicklung begleiten

Methoden, Themen und Rahmenbedingungen haben sich über die Jahre verändert. Der Kern meiner Arbeit ist geblieben: Menschen dabei zu unterstützen, ihre Möglichkeiten zu erkennen, neue Perspektiven zu entwickeln und auch in anspruchsvollen Situationen handlungsfähig zu bleiben.

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