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„Einführung des betrieblichem Gesundheitsmanagements“

Interview mit Heike Thomsen, Leiterin des betrieblichen Gesundheitsmanagements in der Region Nord

Heike ThomsenZS: Frau Thomsen, die Barmer GEK begleitet jetzt schon seit einigen Jahren Betriebe bei der Einführung des betrieblichem Gesundheitsmanagements. Was haben Firmen davon, wenn sie Gesundheitsmanagement einführen?

HT: Schon allein durch die gedankliche Auseinandersetzung mit dem Thema Gesundheit verändert sich dass Bewusstsein für Problemstellungen im Unternehmen. Die Erkenntnis, dass Arbeitsorganisation, Vorgesetztenverhalten und das Betriebsklima sich auf die Arbeitszufriedenheit und –fähigkeit auswirken, können wir mit unseren Analysen eindrucksvoll für und in den Unternehmen belegen. Das schafft die Bereitschaft auf der Entscheiderebene, dass Maßnahme über Angebote zur Verhaltensprävention („der turnende Mitarbeiter/-in“) hinausgehen sollten. Insgesamt gesehen ist festzustellen, dass sich das Wohlfühl-Klima im Unternehmen verbessert, wenn sich alle mit dem Thema Gesundheit beschäftigen

ZS: BGM wird häufig als passendes Instrument gelobt, um Prävention in Unternehmen zu betreiben – was sind die Gründe?

HT: Wir erreichen mit Angeboten in den Unternehmen besonders die Menschen, die sich mit dem Thema Gesundheit nur ungern und/oder in Gemeinschaft beschäftigen wollen. Viele Unternehmen schaffen Präventionsangebote während der Arbeitszeit, dass erhöht die Bereitschaft, sich mit der eigenen Gesundheit zu beschäftigen. Wenn ganze Teams zusammen ein Angebot annehmen, wirkt sich dies zudem äußerst positiv auf den Zusammenhalt aus. Da wäre zum Beispiel die aktive Minipause zu nennen, aus unserer Sicht eine hochwirksame und gleichzeitig niedrigschwellige Maßnahme, um auch diejenigen „in Bewegung zu versetzen“, die man durch Sportangebote eigentlich nie erreicht. Sehr wirksam im Sinne präventiver Maßnahmen sind auch interne Workshops, in denen wir die Arbeitssituation analysieren. Die Erfahrung, mit kleinen Maßnahmen viel Belasting reduzieren zu können, wirkt auf Mitarbeiter/-innen sehr motivierend. Eine „Problemgruppe“ möchten wir auch zukünftig nicht aus den Augen verlieren und können hier durch gezielte Angebot in den Unternehmen ins Visier nehmen: Männer. Männer verhalten sich in vielen Bereichen gesundheitsriskanter als Frauen: Sie rauchen mehr, trinken mehr Alkohol und nehmen weniger an Gesundheitsförderungsmaßnahmen und Früherkennungsuntersuchungen teil. Hier haben wir sehr gute Ansatzmöglichkeiten.

ZS: Gibt es aus Ihrer Sicht Unternehmen, denen Sie – aus welchen Gründen auch immer – von der Einführung zum betrieblichen Gesundheitsmanagement abraten würden?

HT: Die Erfahrung zeigt, dass die Einführung von betrieblichem Gesundheitsmanagement (BGM) ganz wesentlich davon abhängt, ob die oberste Führungsebene das Thema maßgeblich unterstützt und dafür Freiräume schafft. BGM kostet Geld, Zeit und Personal. Auf der anderen Seite sollten sich Unternehmen viel häufiger die Frage stellen, ob man es sich wirklich leisten kann, bei der momentanen durchschnittlichen Altersstruktur und Krankenstand leisten kann, nicht in Prävention und Gesundheitsmanagement zu investieren. Kleinere Unternehmen könnten sich doch auch pragmatisch zusammentun und schnell umsetzbare, pragmatische Konzepte entwickeln. Führungskräfte können sich gemeinsam mit ihren Mitarbeitern auf die Suche nach Schwachstellen in den Arbeitsabläufen machen. Man benötigt nicht für alle betrieblichen Anliegen eine externe Beratung. Oftmals benötigt man schlicht und einfach nur die Zeit und die Unterstützung von ganz Oben, Dinge ändern zu dürfen.

ZS: Welche Erfahrungen haben Sie mit anderen Maßnahmen rund um das betriebliche Gesundheitsmanagement gemacht? Was funktioniert aus Ihrer Sicht gut, was nicht so gut?

HT: Von Erfolg sind alle die Maßnahmen gekennzeichnet, an denen die Mitarbeiter aktiv beteiligt worden sind. Eine Beschäftigtenbefragung liefert oftmals nur einen groben Einblick in das betriebliche Geschehen. Wenn ernsthaft etwas geändert oder näher beleuchtet werden soll, dann sind Analysen gefragt, die die Mitarbeiter/-innen als Experten des eigenen Arbeitsplatzes in den Fokus nehmen. Die Mitarbeiter/-innen empfinden dies als eine hohe Wertschätzung und zugleich können sie aktiv in die Gestaltung gehen. Allerdings muss man auch sagen, dass die Hindernisse nicht immer von „oben“ kommen. Etwas für die eigene Gesundheit zu tun, heißt eben auch, selbst aktiv zu werden und liebgewonnene, aber ungesunde Verhaltensweisen zu ändern. Das fällt vielen Mitarbeitern/-innen sehr schwer. Angebote, die eine hohe Akzeptanz auf Ebene der Verhaltensprävention haben, sind Bewegungsübungen am Arbeitsplatz. Wenn diese schnell erlernbar, gemeinsam mit den Kolleg/-innen und durch die Vorgesetzten aktiv begleitet werden, dann ist dies ein hervorragendes „Einstiegsangebot“ für alle, die durch Muskel-Skelett-Beschwerden aufgrund der Arbeitstätigkeit geplagt sind.

ZS: Das Thema Gesundheitsmanagement findet im Moment ja starke Resonanz in Betrieben – glauben Sie, dass der Hype bald vorbei ist oder wird Gesundheitsmanagement ein Thema der Zukunft sein ?

HT: Der Hype hat erst in den letzten zwei Jahren sehr zugenommen. Die Erkenntnis wächst gerade in vielen Unternehmen, aber das bedeutet noch nicht, dass die Bereitschaft für das nachhaltige BGM wirklich angekommen ist. In vielen Unternehmen überwiegt nach wie vor der Wunsch, die Mitarbeiter/-innen mögen sich durch interne Angebote mehr bewegen, gesünder essen und auch regelmäßige Entspannungsübungen anwenden. Dabei wird jedoch übersehen, dass die meisten betrieblichen Beschwerden durch die belastende Arbeitsorganisation, das fehlende Miteinander und durch die Führungskräfte zustande kommen. Hier wird auch in den nächsten Jahren einiges zu tun sein.

ZS: Frau Thomsen, vielen Dank für das Gespräch.


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