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Interview mit Anka Feldhusen, Leiterin Fortbildung im Auswärtigen Amt, Berlin

 

Frau Feldhusen, Sie sind verantwortlich für die Fortbildung allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Auswärtigen Amt. Welche Eigenschaften sollte ein sozial kompetenter Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin mitbringen oder entwickeln?


Wir im Auswärtigen Amt achten schon bei der Auswahl der Anwärter und zukünftigen Mitarbeiter auf soziale Kompetenzen. In einem Auswahlverfahren wählen wir Bewerber aus, die Teamfähigkeit, Durchsetzungsfähigkeit und Hilfsbereitschaft zeigen.


Was verstehen Sie denn unter einem teamfähigen Mitarbeiter?


Ein Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes muss, vor allem auch im Ausland, aktiv auf andere zugehen können, auch wenn derjenige eine andere Auffassung vertritt. In unserem Job haben wir es immer wieder mit Interessenskonflikten zu tun, daher sollte jemand, der bei uns im Amt arbeitet, in der Lage sein, zu vermitteln. Allerdings muss er dabei immer ergebnis- und zielorientiert vorgehen. Als Regierungsbehörde arbeiten wir ja in hierarchischen Strukturen, es gibt also ein gemeinsames Arbeitsziel, das vorab formuliert wurde.


Und was ist, wenn er das Ziel problematisch findet?


Ein sozial kompetenter Mitarbeiter/-in sollte in der Lage sein, einen Kompromiss mitzutragen, auch wenn er/sie nicht einverstanden ist. Gleichzeitig sollte er im Entstehungsprozess seine Meinung nicht unterdrücken. Wir legen Wert darauf, dass jemand sich traut, sich auch gegenüber einem Vorgesetzten mit seiner abweichenden Meinung Gehör zu verschaffen. Das heißt nicht, den Konflikt bis aufs Äußerste auszureizen. Aber es ist völlig in Ordnung, wenn dieser Mitarbeiter versucht, sich der Sache wegen durchzusetzen. Er darf nur nicht in einen emotionalen Konflikt abgleiten.


Wie wirkt es sich auf die soziale Kompetenz aus, dass die Posten im Diplomatischen Dienst regelmäßig neu besetzt werden?


Wir wechseln in der Regel alle drei Jahre unsere Tätigkeit und unseren Posten. Das setzt eine gute Portion an Einsatzbereitschaft voraus. Wir erwarten, dass unsere Mitarbeiter trotz des begrenzten Zeitraumes bereit sind, sich für andere einzusetzen und zu engagieren. Dafür braucht man natürlich ein Verantwortungsbewusstsein, gerade als Vertreter des eigenen Landes im Ausland, denn wir stellen ja nicht nur als Person etwas dar, sondern vertreten immer auch unser Land. Dessen muss man sich immer bewusst sein.


Was raten Sie einem Mitarbeiter, der sich von seinen Kollegen oder gar von seinem Vorgesetzten gemobbt fühlt?


Diesem Mitarbeiter rate ich, das ganze Geschehen erstmal mit einer unbeteiligten Person durchzusprechen. Das kann ein guter Freund sein, der oder die vielleicht auch im Amt arbeitet und objektiv zum Konflikt Stellung beziehen kann. Oder jemand anders, der eine neutrale Perspektive anbietet. Im Auswärtigen Amt gibt es zum Beispiel einen Psycho-Sozialen Dienst, mit dem man jederzeit solche Probleme besprechen kann. Auch die Personalreferate sind ansprechbar. Und davon abgesehen haben wir Strukturen geschaffen, Leitlinien, an denen sich alle im Konfliktfall orientieren können. Meine Erfahrung ist, dass das hilfreich ist, um in einer emotional aufgewühlten Situation einen kühlen Blick zu bewahren. Diese Leitlinien helfen den Betroffenen, Verantwortung dafür zu übernehmen, dass es trotz aller Schwierigkeiten eine Lösung gibt.


Was erwarten Sie für die Zukunft? Welche Rolle werden soziale Kompetenzen speziell in Regierungsbehörden spielen?


Sozialkompetenzen werden immer wichtiger. Das hat viele Gründe. Wir haben hier im Auswärtigen Amt viele brilliante Diplomaten, die über hohe analytische Fähigkeiten verfügen. Allein deshalb sind sie aber nicht automatisch gute Führungskräfte. Wer leitet, muss verstärkt Leitungskompetenzen zeigen – und das sind eben auch soziale Kompetenzen. Gerade in den Auslandsvertretungen brauchen wir Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter bei den besonderen Anforderungen im Ausland unterstützen. Die meisten haben das Problem, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Und die Zeiten, in denen die Frauen ihrem Mann, der in der Diplomatie Karriere macht, den Rücken freihalten, sind nun langsam vorbei. Die Frauen (oder manchmal auch Männer) der Diplomaten und Diplomatinnen sitzen nicht mehr zu Hause und kümmern sich um den Haushalt und die Kinder, sondern sie wollen sich auch beruflich verwirklichen. Das kann ein großer Belastungsfaktor sein, der sich in einem fremden Land noch potenzieren kann. Führungskräfte müssen einen Blick und ein Herz für diese Probleme haben. Was wir wirklich vermeiden möchten, sind lange Krankheitsausfälle aufgrund von psychosozialen Belastungen.


Solche Einfühlungsbereitschaft könnte auch ein Chef zeigen, der ansonsten als Patriarch auftritt.


Damit würde er aber nicht weit kommen. Wir leben in einer Gesellschaft, die zunehmend individualisiert ist. Die Menschen werden kritischer und lassen sich nicht so einfach alles sagen, auch nicht von ihren Führungskräften. Als Vorgesetzter muss man sich auch Kritik anhören können. Auch in diesen Punkten werden die Führungskräfte immer stärker gefordert.

 


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